„Es gibt kein Böses“ gewinnt Goldenen Bären für den Besten Film Perfekter Sound von der Studio Hamburg Postproduction

Der Film „Es gibt kein Böses“ („There Is No Evil“) des Wahlhamburgers Mohammad Rasoulof erhält bei der 70. Berlinale die höchste Auszeichnung – den Goldenen Bären für den besten Film im Wettbewerb.

Jury-Präsident Jeremy Irons: „A film that asks questions about our own responsibility and choices we all make in life.“

Rasoulof kann den Preis aber nicht persönlich entgegennehmen. Er darf den Iran nicht verlassen, da die iranischen Autoritäten ihm 2017 nach der Veröffentlichung seines Films „A Man of Integrity“ die Ausreise aus seinem Land verboten hatten.

Seine Tochter Baran, die ebenfalls im Film mitwirkt, und die beiden Produzenten Farzad Pak und Kaveh Farnam nehmen den Goldenen Bären entgegen. „Dieser kleine Freund hier, der Goldene Bär, wird bald in mein Land reisen. Und er wird Mohammad sagen: “Du bist nicht allein“. Und Mohammad wird ihm zeigen, wie viele freundliche und friedliche Menschen es im Iran gibt.“ Mit diesen emotionalen Worten bedankt sich Produzent Kaveh Farnam für die Auszeichnung

Erst Anfang Januar erhielt die Studio Hamburg Postproduction den Auftrag und erstes Material aus dem Iran des ohne Genehmigung gedrehten Films, um mit der Postproduktion zu starten. Bis zur Deadline zur Abgabe am 14. Februar arbeiten zwei Kollegen rund um die Uhr, um dem 150 minütigen Werk den perfekten Sound zu verpassen. Am Premierenabend sind Projektleiterin Wibke Melanie Becker, Mischtonmeister Philipp Kemptner und Dialog Editor Daniel Wulf persönlich vor Ort und lassen sich im Berlinale Palast in den Bann dieses politischen Episodenfilms ziehen. Bereits bei der Premiere herrscht eine besondere Stimmung im Saal.

Wibke Melanie Becker: „Wir saßen bei den Produzenten und Schauspielern und bekamen Gänsehaut – ein Platz ist frei. Der Platz von Mohammad. Während der 150 Minuten wird uns in 4 Episoden immer wieder bewusst, wie autoritär im Iran geherrscht wird. Es geht um Haltung, die Todesstrafe und persönliche Freiheit. Wie weit kann man in einem totalitären System gehen, um persönlichen Frieden zu finden? Somit setzt auch mit diesem Film Rasoulof erneut ein starkes persönliches und politisches Statement.“

Der Regisseur Mohammed Rasoulof wurde 1972 in Shiraz im Iran geboren. Schon während seines Studiums widmete er sich intensiv der Filmwelt und drehte mehrere Langfilme, die im Iran aufgrund seiner Darstellung des iranischen Systems zensiert wurden. 2010 wurde er während Dreharbeiten verhaftet und zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt. Für seine Filme erhielt er schon in Vorjahren zahlreiche internationale Auszeichnungen, unter anderem 2017 den Hauptpreis der Sektion „Un Certain Regard“ bei den Filmfestspielen in Cannes.

„Bereits vor dieser wichtigen Auszeichnung haben wir betont, wie stolz und dankbar wir für die Möglichkeit sind, in diesen bewegten Zeiten mit zum Gelingen dieses Werkes beizutragen. Unsere herzlichen Glückwünsche für den Gewinn des Goldenen Bären sowie unser höchster Respekt gehen an Mohammed Rasoulof, sein Team und die Cosmopol Film.“ sagt Tammo Steinmetz, Geschäftsführer der Studio Hamburg Postproduction.